Feuerschutz in Holzerode

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(Auszug aus der Chronik der Freiwilligen Feuerwehr)

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Geschichte

Die Geschichte der Feuerwehren beginnt im 18. Jahrhundert mit dem Aufstellen einer Pflichtfeuerwehr, in der jeder Einwohner nach Maßgabe seiner Kräfte helfen musste. Je geringer die Einwohnerzahl, desto schwieriger gestaltete sich die Aufstellung einer schlagkräftigen Feuerwehr. Leider musste die Wehr wiederholt ihre Einsatzbereitschaft unter Beweis stellen.

Einsätze

Am 21. April 1875 brannten Wohnhaus und Nebengebäude des Schneiders Georg Hartmann nieder. Als am 8. Juli 1889 in Oberbillingshausen ein Großfeuer ausbrach, wurden sofort die Holzeröder zur Hilfe geholt. Es war der größte Einsatz außerhalb des Dorfes, den die Pflichtfeuerwehr bis 1918 durchzuführen hatte. Da Holzerode noch keine Wasserleitung hatte, mussten im Notfall Eimerketten gebildet werden, in denen Frauen und Kinder standen. Im Jahre 1897 wurden drei Schlauchanschlüsse gekauft, so dass nunmehr sechzig Meter Schlauch gelegt werden konnten. Das Osterfest 1903 blieb lange im Gedächtnis der Feuerwehrleute: Am Ostersonntag brannte die Scheune Hermann Bothmanns nieder und am folgenden Dienstag die seines Nachbarn Carl Linnemann. In Anwesenheit von Vertretern der Kreisverwaltung fand am 28. Juli 1912 die erste größere Übung der Pflichtfeuerwehr, die zur vollen Zufriedenheit verlief, statt. Während eines Gewitters schlug am 5. Juni 1913 ein Blitz in eine Scheune des Bauermeisters Hartmann ein und setzte sie in Brand. Trotz des Eingreifens der Feuerwehr wurde sie ein Raub der Flammen.

Wilhelm Kolle

Große Verdienste um die Pflichtfeuerwehr erwarb sich Oberholzhauer Wilhelm Kolle. Er war über 30 Jahre bei der Forst tätig, war daneben aber auch Ortsgelderheber („Gemeindrechnungsführer“), ehrenamtlicher Vollzugsbeamter im Kommunalparlament als Ausschussmitglied und Beigeordneter tätig. Trotz dieser Aufgaben widmete er als Brandmeister der Pflichtfeuerwehr viel Zeit. Wenn diese in ihrer Leistungsfähigkeit einer Freiwilligen Feuerwehr gleichstand, war dies nicht zuletzt sein Verdienst. Als Anerkennung wurde ihm im September 1906 das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Es war die erste Auszeichnung dieser Art, die einem Brandmeister einer Pflichtfeuerwehr im Kreis Göttingen verliehen wurde.

Wechsel in der Führungsspitze

Im September 1923 wurde die Führungsspitze abgelöst. Neuer Rohrführer wurde Heinrich Linnemann, der Carl Heise ersetzte. Statt Karl Lechte wurde Georg Thiele Abteilungsführer der Feuerwehr. August Thiele löste August Kolle als Abteilungsführer der Rettungs- und Wachmannschaften ab. Im August 1930 wurde der Zimmermeister Heinrich Kolle neuer Brandmeister und Heinrich Bährens Obersteiger.

Große Brände

Seit dem Ersten Weltkrieg war Holzerode von ernsteren Feuern verschont geblieben, dann aber folgten zwei Unglücke kurz hintereinander: Am 13. Dezember 1931 brannte die Scheune des Bauern Heinrich Dettmar ab. Die Feuerwehr konnte nur das Wohnhaus und die Stallungen vor dem Feuer bewahren. Am 14. April 1932 wurde die Stallung des Arbeiters August Finke ein Raub der Flammen.

Freiwillige Feuerwehr Holzerode

Angeblich wurde die Freiwillige Feuerwehr Holzerode nach Aussagen von Zeitzeugen im Jahre 1936 gegründet. Leider sind aus damaliger Zeit keinerlei Aufzeichnungen vorhanden.

Luftkrieg

Laut eines Zeitungsberichtes vom Göttinger Tageblatt spürte man in Holzerode auch den Schrecken des Luftkrieges. Am 27. Juni 1944 löste ein alliiertes Flugzeug, das an einem Angriff auf eine Großstadt beteiligt war, nachts etwa zwanzig Bomben, vermutlich ein Notabwurf. Sie schlugen größtenteils in Reyershausen ein, richteten schweren Schaden an und forderten 19 Todesopfer. Die Holzeröder Feuerwehr kam als erste an den Unglücksort, auch die Ebergötzer Feuerwehr beteiligte sich an den Lösch-, Bergungs- und Rettungsarbeiten. Nach dem Krieg wurde Otto Thiele zum Brandmeister gewählt.

ab 1947

Im Jahr 1947 wurden die Dienstabende wieder eingerichtet. Bereits im folgenden Jahr 1948 wurde bei den Kreiswettbewerben in Rosdorf der 1. Platz belegt. Otto Thiele konnte durchsetzen, dass im Mai 1948 ein hölzerner Schlauchturm für 3.000 Mark von Zimmermeister Kolle gebaut wurde. Im Januar 1951 wurden 4.000 DM für den Bau eines Löschwasserbehälters bewilligt, der im Rahmen der Volkskirmes im Oktober des selben Jahres eingeweiht wurde. Dadurch wurde die Löschwasserversorgung im Ort erheblich verbessert, da es zu dieser Zeit in Holzerode noch keine Wasserleitungen gab. Im April stellte die Gemeinde weitere 700 DM für die Ausrüstung der Wehr bereit. Dieses Geld setzte die Wehr für den Bau eines neuen TS-A (Tragkraftspritzenanhänger) ein. Bei einer Alarmübung im August 1954 waren binnen dreizehn Minuten 148 Männer am Sammelplatz, darunter die motorisierte Abteilung mit 16 Motorrädern. Im September 1955 wurde Otto Hartmann neuer Brandmeister und Wilhelm Wertheim sein Stellvertreter. Für die Wehr wurde im November 1959 eine Tragkraftspritze (Typ: Bachert) angeschafft. Die alte TS (Typ: DKW) wurde ausgemustert. Brandmeister Hartmann wurde im Februar 1961 von Eduard Linnemann abgelöst, dessen Amt aber bereits im April 1964 Wilhelm Wertheim übernahm, während Linnemann sein Stellvertreter blieb. Die Wehr wurde mehrmals zu Einsätzen alarmiert: Im Dezember 1969 richtete Feuer in der Ziegelei Hölle eine Schaden von mehr als 10.000 DM an, am 8. Mai 1970 vernichteten die Flammen drei Hektar Wald. Nur durch das schnelle Eingreifen der Holzeröder Wehr konnten größere Schäden vermieden werden. Am Neujahrstag 1973 brannte die Scheune und eine Garage von Kurt Degenhardt völlig nieder. Im September des selben Jahres wurde durch eine Gasexplosion die Gastwirtschaft „Zur Linde“ teilzerstört. Die Feuerwehr war schnell zur Stelle, löschte und konnte das Wirtsehepaar Rühling schwerverletzt bergen. Anfang der 70-er Jahre kam die freiwillige Feuerwehr auf Grund erheblicher interner Probleme in eine große Krise. Ein angemessenes Handeln war dadurch nicht mehr gewährleistet. 1973 entstand durch die Gebietsreform die Samtgemeinde Radolfshausen Dadurch war dann auch die Feuerwehr Holzerode nicht mehr eigenständig, sondern Mitglied in dieser Samtgemeinde. Seit dieser Zeit trägt sie auch den Namen „Freiwillige Feuerwehr der Samtgemeinde Radolfshausen, Ortsfeuerwehr Holzerode“.

siehe auch:

Holzerode