Gartetalbahn

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Die Gartetalbahn oder Göttinger Kleinbahn AG war eine Schmalspurbahn, die von 1897 bis 1957 von Göttingen nach Rittmarshausen und von 1907 bis 1931 weiter nach Duderstadt führte.

Entstehung und Geschichte

Die Gartetalbahn AG wurde als Göttinger Kleinbahn AG am 16. November 1896 gegründet. Beteiligt waren der Landkreis und die Stadt Göttingen, die Gemeinde Rittmarshausen sowie die Bahnbau- und Betriebsunternehmung Lenz & Co GmbH, die bis 1938 auch den Betrieb führte. Anschließend lag die Betriebsführung beim Niedersächsischen Landeseisenbahnamt in Hannover.

Die Gesellschaft eröffnete am 19. Dezember 1897 eine Kleinbahn in der Schmalspur von 750 mm, die von Göttingen im Tal der Garte, eines Nebenflusses der Leine, aufwärts nach Rittmarshausen führte, wo sich stets der Betriebsmittelpunkt befand. Zehn Jahre später, am 1. Juli 1907 verlängerte man die Bahn sogar bis zur Kreisstadt des Nachbarkreises Duderstadt, die bereits 1889 an das Staatsbahnnetz angeschlossen worden war.

In Göttingen endeten die Personenzüge der Gartetalbahn direkt vor dem Göttinger Empfangsgebäude der Staatsbahn. Als die Bahnanlagen in Göttingen in den 1920er Jahren aufgrund des zunehmenden Straßenverkehrs höher gelegt wurden, musste der Personenbahnhof der Gartetalbahn um ca. 400 m nach SW hinter die Unterführung der Groner Landstraße zurück verlegt werden. Im Bahnhof Göttingen-Süd der Gartetalbahn bestand bis zuletzt eine Umlademöglichkeit zwischen der Schmalspurbahn und der Staatsbahn.

Der Teilabschnitt Duderstadt–Rittmarshausen der insgesamt 36 km langen Strecke wurde – wegen allzu geringer Nachfrage - schon nach knapp 15 Jahren ab April 1922 wieder stillgelegt. Die Wiederaufnahme des Verkehrs in beschränktem Umfang war nur vorübergehend; das Ende kam unwiderruflich im Jahre 1931. Dagegen bestand der Personenverkehr von Göttingen bis Rittmarshausen fast sechzig Jahre lang, bis zum 30. Oktober 1957; Güterzüge – vor allem zum Transport der Zuckerrüben – fuhren sogar bis zum 1. März 1959. Danach wurde die Strecke abgebrochen.

Nach dem Ausscheiden der AG für Verkehrswesen, die an die Stelle von Lenz & Co getreten war, lagen nach dem Zweiten Weltkrieg 75% der Aktien in der Hand des Landes Niedersachsen, 22 % in Privathand. Die Gesellschaft nannte sich seit 1946 Gartetalbahn AG und war ab 1957 ein Eigenbetrieb des Landkreises Göttingen, der noch bis 1983 eine Buslinie entlang der ehemaligen Bahntrasse betrieb.

Fahrzeuge

Bei der Betriebsaufnahme waren drei zweiachsige Dampflokomotiven (Nr. 1 bis 3) vorhanden, in den nächsten Jahren wurden noch zwei vierachsige Malletlokomotiven dazubeschafft (Nr. 11 und 12). 1940 wurde eine dreiachsige Lokomotive mit Schleppachse beschafft, die die abgängige Lok 3 ersetzte, nach dem Krieg kamen zwei dreiachsige Lokomotiven mit Schlepptender für die übrigen Zweikuppler (Nr. 4 und 5) aus Heeresfeldbahnbeständen und eine fünfachsige Schlepptenderlok (Nr. 12II) als Ersatz für die Mallets. 1954 wurde ein vierachsiger Triebwagen beschafft.

Es waren nie mehr als neun vierachsige und drei zweiachsige Personenwagen vorhanden, dazu noch zwei Pack-/Postwagen und bis zu 24 gedeckte und 53 offene Güterwagen.

Die Trasse heute

Heute ist ein Teil der Strecke Bestandteil des niedersächsischen Radfernwegnetzes, hier dem Weser-Harz-Heide-Radfernweg (nieders. Radfernweg/RFW 5), der von der Lüneburger Heide über den Harz und die Rhumequelle über Göttingen an die Weser führt.

Literatur- und Filmmaterial

  • Karl Burmester: Göttinger Kleinbahn A.G. – Chronik der Gartetalbahn, 1897-1957: 60 Jahre Kleinbahngeschichte. Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 1987, ISBN 3-924781-14-1
  • DVD Gartetalbahn, Hrsg. Institut f. wissenschaftlichen Film (IWF) gGmbH, Z12900

Weblinks